6000 Euro für ein Brötchen
dondahlmann, Samstag, 13. Januar 2007, 17:42
Zugegeben - wenn man einfach ohne Rückfrage ein Bild aus einer Webseite kopiert und in seinem Blog veröffentlicht, ist das eben eine klassische Urheberrechtsverletzung. Der Inhaber des Blogs "finger.zeigt.net" hat das gemacht und prompt eine Abmahnung kassiert. Und was genau hat er getan?

Er hat das Bild eines Brötchens von der Seite "Marions Kochbuch" kopiert und unrechtmäßig genutzt. Das Foto ist, nun ja, das sag ich jetzt nur mal als Hobbyfotograf, sicher hübsch ausgeleuchtet, aber ansonsten fehlt mir da etwas die persönliche Note. Das ist aber sicher Geschmackssache und ändert nichts an der Gesetzeslage.

Was genau das Blog mit dem Foto gemacht hat, also ob es Hotlinking war, oder ob der Autor des Artikels das Bild kopiert und bei sich gehostet hat, geht leider aus dem Artikel nicht wirklich hervor. Auf jeden Fall hat man den Streitwert des Brötchens mit 6.000 Euro angesetzt. Das ist, wie es das RA-Blog formuliert, die "albernste Abmahnung seit Menschengedenken". Thomas Klotz beweist nebenbei auch, dass er selber durchaus auch in der Lage ist, in die hohe Kunst der Brötchen-Fotografie einzusteigen.

Auch die Betreiber des Webseite "Marions Kochbuch" melden sich in den Kommentaren im Blog zu Wort und schreiben: "Marions Kochbuch ist nicht böse. Es wird hier behauptet, wir würden uns an Abmahnungen bereichern und eine einfache Mail hätte das Problem auch aus der Welt geschafft. Das ist falsch. Wir sind leider nicht in der Lage, alle Urheberrechts-
verletzungen an unseren Bildern selber zu lösen. Daher die Hilfe unserer Anwälte."

Soweit ich weiß ist man aber nicht hilflos seinen Anwälten ausgeliefert, sondern kann diesen schon mitteilen, wie man wann in welcher Form reagiert. Also ob man einen Brief schriebt, oder ob man direkt mit einer Abmahnung reagiert. Und auch den Streitwert kann man bestimmen.

So sehr ich den Ärger und vor allem den zeitlichen Aufwand den die Verfolgung der hochwertigen Fotografien nach sich zieht verstehen kann, so einfach wäre es vielleicht auch, einfach eine Mail oder einen Brief zu schreiben, anstatt teure Abmahnungen raus zu senden.

Nachtrag: Mittlerweile bin ich auf eine Seite gestossen, auf der sich einige, durch die Betreiber von "Marions Kochbuch" abgemahnte User austauschen. Offenbar geht man durchaus massiv und nicht selten gegen vermeintliche oder tatsächlich festgestellte Urheberrechtsverletzungen, wie das Kopieren eines Rezeptes oder die unerlaubte Nutzung eines Fotos, vor. Auch verfolgen die Betreiber von "Marions Kochbuch" Diskussionen über die Abmahnungen sehr genau und man bemüht einen Rechtsanwalt um scheinbar falsche Aussagen löschen zu lassen.

Insgesamt gesehen ist der ganze Vorgang ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht einfach irgendwelche Bilder auf seine Seite stellen sollte. Man begeht im Zweifelsfall immer eine Urheberrechtsverletzung, die eben dann teuer werden kann, wenn der Urheber zusätzlich darauf besteht, das komplette Instrumentarium an rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen. Dazu zählen dann eben auch Abmahnungen und Schadensersatzforderungen. Das mag im Falle eines Fotos von einem Brötchen übertrieben scheinen, aber so ist eben die Rechtslage.

Nachtrag 2 Interessant auch dieser Bericht eines Forenbetreibers. Vor allem fällt mir auf, dass die Berichte über Abmahnungen seitens "Marions Kochbuch" offenbar in den letzten Wochen stark zugenommen haben. Via

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folkert, 13. Jan, 20:03
und wie aufwendig ist es, bevor man sich ein Bild von einer fremden Seite Kopiert und es als eigenes darstellt eine kurze mail an den Besitzer zu senden?

Das ist völlig korrekt. Ich schrieb ja auch, dass ich den Ärger der Ihnen durch Content Diebstahl absolut verstehen kann. Aber es ist aber immer die Frage ob man ein Instrumentarium, das einem bei einer Rechtsverstoss zur Verfügung steht, auch im vollen Umfang ausnutzt, bzw. ausnutzen muss. Es ist halt immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Wenn jemand dutzendweise Bilder stiehlt und zu einem gewerbmäßigen Zweck einsetzt, ist eine Abmahnung sicher nicht zu umgehen. Aber bei einem kleinen Blog und einem Bild?

heisst es nich eigentlich auch aufwändig?
ach, egal auch.
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herrner, 22. Jan, 11:01
Dann haben die ihre Abmahnpraxis aber geändert: Ich wurde wegen eines in meinem Blog verwendeten Fotos aus dem Kochbuch damal via Blog-Kommentar von der Kanzlei aufgefordert:

"(...) Bild bitte bis 18.01.06 spätestens entfernen, damit eine rechtliche Inanspruchnahme vermieden wird."

- das habe ich gemacht und damit war die Sache ausgestanden. Vermutlich ist den Anwälten das auf Dauer zu anstrengend geworden - und bringt ja auch nichts ein, insofern kann ich das grundsätzliche Vorgehen schon nachvollziehen. Die völlig überzogenen Beträge sind natürlich wieder etwas völlig anderes.
Ein einfacherer Weg wäre es sicherlich, die Bilder einfach unter CC-Lizenz abzubilden, dann würden vermutlich die meisten die Bildquelle mit Link angeben und Marions Kochbuch Traffic und gutes Karma verschaffen...
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